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Die Entwicklung der Wasserversorgung im Gerolsteiner Land


Wasser, auch das „nasse Element“ genannt, spielte schon in frühester Zeit bei der Anlage von Siedlungen eine wesentliche Rolle.
 

Quellfassungen gehören zu den ältesten Kulturbauten. Das Wort „Quelle“ war für die Menschen seit jeher der Inbegriff der Reinheit, der Gesundheit, der labenden Kühle und des guten Geschmacks.
 

Daher ist es nicht verwunderlich, dass bei den alten Völkern die Quellen heilig waren. Zur Versorgung Jerusalems wurde bereits im 7. Jahrhundert vor Chr. eine Wasserleitung gebaut.
 

Die Römer und Griechen haben sich die Errungenschaften der alten Völker zunutze gemacht und zentrale Gemeinschaftsanlagen geschaffen. Überreste jener großartigen Bauten findet man vor allem im Gebiet des römischen Weltreiches, z.B. zur Versorgung von Trier und Köln. Man beschränkte sich damals fast ausschließlich auf die Speisung öffentlicher Brunnen und Bäder.
 

Im Mittelalter trat die einheitliche (zentrale) Versorgung zurück und die Einzelbrunnen schoben sich wieder in den Vordergrund. Es wurden Zisternen zur Sammlung von Dachwasser angelegt, Grundwasser aus flachen Schachtbrunnen oder Wasser aus dem vorbei fließenden Fluss oder Bach entnommen.
 

Das Mittelalter war gekennzeichnet durch die in höchstem Maße unhygienischen Verhältnisse. Die Brunnen waren nicht selten in der Nähe von Abort oder Dunggruben angelegt. War ein Bach vorhanden, wurde jeglicher Abfall zum Abtransport hineingeworfen, so dass sie überall zu Kloaken wurden. Das hinderte die Menschen nicht daran, aus diesen Gewässern wieder Wasser zu entnehmen, um Geschirr zu spülen, Speisen zu kochen oder Bier zu brauen. Man dachte nicht daran, dass dadurch hygienisch untragbare Verhältnisse geschaffen wurden, die Auslöser zahlreicher Seuchen waren. So gab es im 13. Jahrhundert eine Anordnung des Bürgermeisters von München in der es heißt: „Niemand soll seinen Unrat vor die Türe werfen, sondern in den Stadtbach schütten“.
 

Die Schaffung zentraler Wasserversorgungsanlagen bereitete Schwierigkeiten, da man kein Material zur Verfügung hatte, die beim Wassertransport in Leitungen auftretenden Drücke beim Überwinden von Höhenunterschieden aufzunehmen. Erst durch die Schmelztechnik, die es ermöglichte Eisen zu gießen, wurde ein gegen Druck widerstandsfähiges Material wie z.B. das Gusseisen geschaffen, das zu einer Verbesserung in der Wasserversorgung führte.
 

Die erste Wasserversorgung Gerolsteins wurde in den 70er Jahren des 19. Jahrhunderts erbaut. Die Anlage bestand aus 2 Quellen im Bereich der Büschkapelle, die dicht unterhalb der Büschkapelle in einer Sammelstube gefasst waren.

 

 

Die Quellen hatten eine Schüttung von 312 m³/Tag. Von dieser Sammelstube wurde das Wasser in Gussrohren und Tonrohren in einen nahe der Löwenburg gelegenen Sammelschacht geleitet. Dieser Schacht diente nicht als Speicher (Größe ca. 1 m³), sondern war mehr als Druckunterbrechungsschacht zu sehen.  Die Gussrohrleitungen waren da angeordnet, wo das Tal unterdükert wurde, also im Bereich hoher Drücke, während die Tonleitungen in den höheren Bereichen lagen, da wo die Drücke am geringsten waren. Von dem Sammelschacht Löwenburg wurde das Wasser in Guss- und Bleileitungen zu verschiedenen Brunnenständern im Ortskern geführt. Die Brunnenständer waren zum Teil absperrbar und liefen zum Teil frei aus. Von diesen Zapfstellen musste das Wasser in die Haushalte getragen werden. Diese Anlage brachte hauptsächlich im Winter durch Zufrieren und im Brandfalle große Probleme mit sich. 1898 wurde von der Gemeinde Gerolstein ein Ing.-Büro aus Bochum mit der Planung einer Wasserversorgung im Drucksystem beauftragt. Die Erneuerung bzw. der Ausbau der Versorgung wurde nicht zuletzt durch die Eisenbahn zur Speisung der Dampfloks erforderlich.  Ziel der Planung war, durch den Bau eines Hochbehälters (Speicher) an der Löwenburg das Quellwasser der Büschkapelle optimal zu nutzen, da das Wasser durch den fehlenden Speicher nachts ungenutzt weglief. Weiter war vorgesehen, durch ein Rohrsystem aus Gussrohren weitgehend alle Haushalte an die öffentliche Wasserversorgung anzuschließen und durch den Einbau von Hydranten die Brandbekämpfung zu sichern. Der Anschluss der Haushaltungen an die Wasserversorgung wurde damals als besonderen Luxus angesehen und war zu dieser Zeit sicher nicht üblich. Weiter sollte mit der Schaffung der Wasserversorgungsanlage – wie es in der Planung heißt – der Gesundheitszustand gehoben werden.
 

Gerolstein hatte zu dieser Zeit ca. 1.200 Einwohner und der in der Planung angenommene spezifische Pro-Kopf-Verbrauch von 70 Liter je Einwohner und Tag führte zu einem Wasserbedarf von 84 m³/Tag. Zusätzlich wurde für den Verbrauch der Bahn 120 m³/Tag vorgesehen. Heute liegt der für die Bemessung von Wasserversorgungsanlagen anzusetzende Pro-Kopf-Verbrauch bei 225 l/Einwohner und Tag.
 

Zur gleichen Zeit wurde von der Stadt Trier zur Sicherung der Wasserversorgung eine Planung durchgeführt, die vorsah, Wasser aus den Quellen Müllenborn über eine Rohrleitung in den Hochbehälter der Stadt Trier am Kockelsberg zu transportieren. Über eine 60 km lange Rohrleitung, wovon 17 km als gemauerte Leitung und 43 km als gusseiserne Rohrleitung vorgesehen waren, sollten 16.000 m³ Trinkwasser pro Tag in den Hochbehälter Trier gefördert werden. Die Trasse war über Birresborn, Kyllburg, Erdorf, Kordel nach Trier vorgesehen. Bestandteil der Planung war weiter, die längs der Trasse liegenden Gemeinden an diese Versorgungsleitung anzuschließen, da diese Ortschaften zum Teil schwer unter Mangel an gutem Trinkwasser litten und von Krankheiten heimgesucht waren, die auf schlechtes Wasser und namentlich auf den verseuchten Zustand der Kyll zurückgeführt wurden. Das Projekt ist gescheitert, da es nicht möglich war, die Gemeinden mit in dieses Werk einzubinden, da sie die finanziellen Mittel nicht aufbringen konnten.
 

Mit dem Bau der ersten Wasserversorgung Gerolsteins im Drucksystem wurde 1901 begonnen. Wasserbezugsorte waren die vorhandenen Quellen an der Büschkapelle und zwei neu geschürfte Quellen am Krekelberg. Beide Quellvorkommen hatten ein tägliches Wasserdargebot von ca. 600 m³.

 

Der von 1901 bis 1911 ausgeführte Bauabschnitt umfasste eine Neuverlegung der Quellzulaufleitung von den Quellen über eine gusseiserne Leitung DN 100 bis zum neu gebauten 300 m³ großen Wasserhochbehälter an der Löwenburg. Vom Hochbehälter erfolgte weiter die Verlegung der Ortsleitungen in den am linken Kyllufer gelegenen Ortsteil, der das ganze damalige Gerolstein darstellte. Das rechte Kyllufer war in dieser Zeit noch weitgehend unbebaut.

 

1911 wurde die Wasserversorgung durch einen zweiten Bauabschnitt erweitert. Grund hierfür war die Ausführung großer Eisenbahnbauten in der Eifel, wodurch Gerolstein zum Eisenbahnknotenpunkt der Eifel und damit wirtschaftlich erschlossen wurde, was vor allem einen starken Zuzug einer großen Anzahl von Eisenbahnbeamten und –Angestellten zur Folge hatte.  Die Einwohnerzahl wuchs bis 1910 auf 2.000. Durch die Bevölkerungszunahme und das zur Lokspeisung benötigte Wasser wurde zur Versorgung des inzwischen auf der rechten Kyllseite entstandenen Ortsteils mit der Schürfung der Quellen Sandborn (Schüttung ca. 500 m³/Tag) und dem Bau eines 300 m³ großen Hochbehälters „Auf Lehmen“ mit den dazugehörigen Verteilerleitungen in den Ortsteil rechts der Kyll begonnen. Die Eisenbahn betrieb zu dieser Zeit einen eigenen Wasserbehälter am Kasselburger Weg, der vom Ortsnetz aus den Quellen Sandborn gespeist wurde. Da die Schüttung der Sandborn-Quelle nicht ausreichte, um den Bedarf der Bahn (täglich über 1.000 m³) zu decken, baute die Bahn an der Kyll ein Pumpwerk, mit dem sie das fehlende Wasser aus der Kyll in ihren Behälter am Kasselburger Weg dazupumpte.Die steigende Einwohnerzahl von 2.000 auf 3.000 sowie das undicht gewordene und nicht ausreichend dimensionierte Rohrnetz machten 1940 eine Erweiterung der Versorgung erforderlich. 
 

Das Erweiterungs- und Sanierungskonzept umfasste folgende Schwerpunkte:

1. Einbindung der starken Quellen Müllenborn in das Versorgungssystem.

2. Bau eines Pumpwerkes in Müllenborn mit Bau einer Druckleitung zur Förderung des Wassers in den geplanten Hochbehälter Schocken.

3. Neubau von zwei Hochbehälter Auf Schocken und am Moßweg mit je 500 m³ Fassungsvermögen.

4. Weitere Nutzung der Quellen Büschkapelle.

5. Verbindung der beiden Stadtnetze rechts und links der Kyll durch Bahn und Kyll.

6. Sanierung des Stadtnetzes.

 

Die neuen Hochbehälter Schocken und Mossweg wurden 1941 in Betrieb genommen.

 

 

Zur Verbessung der Druckverhältnisse im Stadtnetz ordnete man beide Behälter ca. 30 m höher an, als die alten Behälter Löwenburg und Lehmen. Da die alten Behälter Löwenburg und Lehmen sowie die Quelle Sandborn durch die Höhenlage der neuen Behälter nicht mehr in das neue Drucksystem passten, gab man diese Versorgungsanlagen auf.
 

Die Behälter Schocken und Moßweg liegen zentimetergenau auf einer Höhe, so dass das Stadtnetz wie eine Schlauchwaage wirkt und sich dadurch die Wasserspiegel der Behälter ausgleichen können. Das hat den Vorteil, dass das freizufließende Wasser der Quellen aus dem Einzugsbereich Büschkapelle optimal genutzt werden kann indem es nachts – also bei geringem Wasserverbrauch – im Hochbehälter Moßweg nicht überläuft, sondern in den Hochbehälter Schocken durchdrückt. 


1951 wurde das Quellwasservorkommen im Bereich Büschkapelle -  Krekelberg um die „Grafenkreuz-Quelle“ erweitert. Dieser Quellwasserbereich mit einer Tagesschüttung von ca. 1.000 m³ ist heute ein wesentlicher Bestandteil unseres Versorgungssystems. Ein Hinweis auf das gute und klare Quellwasser an der Büschkapelle findet man in der Büschkapelle. Sie ist „ Maria zum klaren Bronnen“ gewidmet.

 

 

Mit der Eingemeindung der jetzigen Stadtteile Lissingen, Hinterhausen, Bewingen, Gees, Müllenborn und Oos wurde die Stadt auch Träger dieser Wasserversorgungen. Da diese Einzelanlagen überaltert waren und auch vom Wasservorkommen den steigenden Wasserverbrauch nicht mehr decken konnten, wurden diese Gemeinden an die Versorgung der Stadt Gerolstein angeschlossen. Die Erweiterung des Versorgungsbereiches durch die vorgenannten Gemeinden, die Ansiedlung der Bundeswehr 1960, der ständig steigende Bedarf der Industrie und des Gewerbes (Sprudel usw.) sowie die bauliche Entwicklung der Stadt (Schulen, Krankenhaus, Baugebiete usw.) veranlassten die Stadt, neue Wasservorkommen zu erschließen.
 

Von 1965 bis 1975 wurde das Wasservorkommen Sandborn durch Abteufen von drei Tiefbrunnen (Tiefe ca. 60 m) mit einem täglichen Wasserdargebot von 1.800 m³ neu erschlossen. Weiter wurde 1973 der Tiefbrunnen Büscheich Dietzenley (270m³/Tag) zur Sicherung der Versorgung Büscheich/Niedereich und Michelbach ausgebaut.
 

In Müllenborn wurde 1974/75 neben den Quellen zum Erreichen tieferer Grundwasserschichten zwei Brunnen mit Tiefen von 90 m gebohrt. Das Wasservorkommen ist mit 3.500 m³ Tagesleistung das ergiebigste im Versorgungsbereich.
 

Das genutzte Wasser wird ausschließlich aus Grundwasser und Quellwasser gewonnen; Quellwasser ist zutage tretendes Grundwasser. Grundwasser wird aus den einsickernden Niederschlägen gebildet. Der Aufbau des Bodens, der als Grundwasserleiter oder Grundwasserspeicher in Betracht kommt, ist von ganz besonderer Bedeutung für die Gewinnung der Wassermengen und für die Beschaffenheit. Der Grundwasserleiter, oder auch Grundwasserspeicher genannt, ist ein wasserführender Gesteinskörper, der das Wasser vergleichbar mit einem Schwamm sammelt. Das Niederschlagswasser sickert durch den Gesteinskörper bis zur Grundsohle, die wasserundurchlässig ist. (z. B. Fels, Lette, Ton). Ist die Grundwassersohle zur Erdoberfläche hin geneigt, tritt das Wasser, da es den Gesetzen der Erdanziehung unterliegt, als Quelle wieder an die Erdoberfläche. Gute Grundwasserleiter sind porige Böden (Sande und Kiese) sowie klüftiges Felsgestein. Die Geschwindigkeit des versickernden Niederschlagwassers ist vom Porenvolumen abhängig. Bei klüftigen Steinen ist sie größer, während sie bei Sanden oft nur wenige Dezimeter je Tag betragen kann. Porige Böden haben eine filternde und damit reinigende Wirkung, bei klüftigen Gesteinen ist diese Wirkung geringer.
 

Das aus dem Grundwasser zutage tretende Quellwasser wurde in der Wasserversorgungstechnik anfänglich in großem Maße verwendet, da das Wasser sichtbar war. Heute jedoch wird das Quellwasser meist nur noch zur Versorgung kleinerer Anlagen herangezogen. Zur Deckung des Wasserbedarfs größerer Anlagen reichen diese Wasservorkommen jedoch nicht mehr aus. Daher wird heute die Erschließung des Grundwassers mittels Tiefbohrungen, alleine wegen der größeren Ergiebigkeit, bevorzugt.
 

Auf der Grundlage geologischer Gutachten sind die Tiefbohrungen am Sandborn und in Müllenborn mit Erfolg abgeteuft worden. Die beiden Wasserspeicher haben jedoch unterschiedliche geologische Verhältnisse. So kommt das Wasser Sandborn und auch das Quellwasser der Büschkapelle aus dem Buntsandstein, wogegen das Wasser der Tiefbrunnen Müllenborn aus einem klüftigen Kalksteinfels gefördert wird. Da die chemischen Eigenschaften des Wassers wesentlich durch die Umgebung, in der es sich aufhält, beeinflusst werden, hat das Wasserwerk es in diesen Gewinnungsanlagen mit zwei ganz verschiedenen Wässern zu tun. Wasser hat ein großes Lösungsvermögen und enthält daher stets größere oder geringere Mengen derjenigen Stoffe, mit denen es in Berührung gekommen ist. So ist das Wasser Müllenborn aus dem Kalksteinbereich durch die Kalkverbindungen mittelhart (ca. 13,5 °d) und die Wässer Sandborn und Büschkapelle aus dem Buntsandsteinbereich sehr weich (ca. 1,5 bis 2,0°d), da dieses Gestein keine bzw. nur geringe härtebildenden Bestandteile hat.
 

Zum Trinken wird mittelhartes und hartes Wasser, für Kochen, Waschen, Kesselspeisungen weiches Wasser bevorzugt. Hartes Wasser hat im Haushalt wie auch in der Industrie den Nachteil, dass es beim Erhitzen über 60 bis 70°C Kesselstein bildet (Ablagerungen im Kochtopf, Heißwassergeräten usw.) und den Seifenverbrauch erhöht. Das harte Wasser hat also gegenüber dem weichen Wasser erheblich Nachteile. Die Enthärtung des Wassers ist zwar technisch möglich, wird aber wegen der hohen Kosten und des großen Wartungsaufwandes bei zentralen Wasserversorgungsanlagen selten angewendet.
 

Das weiche Wasser aus dem Buntsandstein bringt den Haushalten und der Industrie Vorteile, dem Wasserwerk aber zum Teil große Nachteile, da dieses Wasser aggressive Kohlensäure enthält. Aggressive Kohlensäure löst Eisen wie auch andere Metalle. Diese Eigenschaft erklärt auch das relativ schnelle Zersetzen der Anfang 1900 verlegten Rohrleitungen. Daher muss das Wasser der Quellen Büschkapelle und der Tiefbrunnen Sandborn entsäuert werden, um die Angriffe auf  die Rohrleitungen auf ein tragbares Maß herabzusetzen.
 

Die Aufbereitung kann über mechanische oder chemische Verfahren erfolgen. Bei den mechanischen Verfahren wird die aggressive Kohlensäure durch Be- und Entlüften des Wassers entfernt. Bei den chemischen Verfahren wird die aggressive Kohlensäure an Kalkstein gebunden.
 

Die chemische Entsäuerung mit dolomitischem Material (z.B. Akdolit) wird beim Wasserwerk Gerolstein bevorzugt, da diese Anlagen vom Raumbedarf den wenigsten Platz benötigen und weil es auch vom Material her die wirtschaftlichste Aufbereitung ist, weil dieses Produkt vor Ort in Pelm hergestellt wird (geringe Transportkosten, keine Lagerung erforderlich).
 

Trinkwasser ist das wichtigste Lebensmittel, es kann durch andere Stoffe nicht ersetzt werden und ist in Deutschland das am schärfsten reglementierte und kontrollierte Lebensmittel. Wasser, das zur Trinkwasserversorgung verwendet werden soll, muss besonderen hygienischen, physikalischen, chemischen und mikrobiologischen Anforderungen entsprechen. Diese sind vor allem in der Trinkwasserverordnung (DIN 2000) festgelegt.
 

Anforderungen an das Trinkwasser
 

Leitsätze aus der zentralen Trinkwasserverordnung DIN 2000

 

1. Trinkwasser muss frei sein von Krankheitserregern und darf keine gesundheitsschädigende Eigenschaften haben.

2. Trinkwasser soll keimarm sein.

3. Trinkwasser soll der Herkunft nach appetitlich sein und nach der äußeren Beschaffenheit zum Genuss anregen. Es soll daher farblos, klar, kühl und geruchlos sein.

4. Der Gehalt an gelösten Stoffen soll sich in gewissen Grenzen halten und bei bestimmten Stoffen (Eisen, Mangan, organische und Stickstoff-Verbindungen) so gering wie möglich sein.

5. Trinkwasser soll möglichst keine Korrosion hervorrufen.

6. Es soll stets in genügender Menge und mit ausreichendem Druck verfügbar sein.

 

Der steigende Wasserbedarf der Bevölkerung und der Industrie einerseits und die höheren Anforderungen an die Qualität des Trinkwassers andererseits haben zu Beginn der 70er Jahre auf Landesebene zu Überlegungen geführt, wie diesen Erfordernissen in der Vielzahl der kleineren Gemeinden auf dem Lande Rechnung getragen werden kann. Die Schwierigkeiten, Wasser aus Überschussgebieten in Wassermangelgebiete abzugeben, waren ebenso bekannt wie das unbedingte Festhalten vieler Gemeinden an der eigenen Versorgung, auch wenn diese nur unzureichend gesichert war. Die notwendige Verbesserung der Qualität  zahlreicher Einzelversorgungsanlagen scheiterte meistens an der finanziellen Ausstattung der „Gebührenhaushalte“, weil man den Wasserpreis verständlicherweise niedrig halten wollte. In vielen Fällen war es aufgrund der ungünstigen hydrogeologischen Voraussetzungen nicht möglich geeignete zusätzliche Wasservorkommen im örtlichen Bereich zu erschließen, so dass die Probleme der Wasserbeschaffung einer einzelnen Gemeinde nicht befriedigend gelöst werden konnten. Diese sollten sich deshalb in noch größerem Maße als bisher zu überörtlichen Versorgungseinheiten zusammenschließen, um die für einen Ausgleich zwischen Wasserüberschuss- und Wassermangelgebieten erforderlichen großräumigen Maßnahmen durchführen zu können. Der verstärkte Ausbau dieser sogenannten Gruppenwasserversorgung war auch aus personellen Gründen notwendig. Da in kleinen Wasserwerken qualifiziertes Personal finanziell nicht  tragbar und auch nicht ausgelastet ist, diese jedoch ebenfalls fachmännisch gewartet, unterhalten und betrieben werden müssen, ist es das erklärte Ziel der Wasserwirtschaftspolitik, größere Versorgungseinheiten zu schaffen, in denen gut geschultes Fachpersonal, das eine störungsfreie und gesicherte Versorgung gewährleistet, hauptamtlich eingesetzt werden kann.
 

Einen großen Schritt zur großflächigen Sicherstellung der Wasserversorgung unternahm die Landesregierung Rheinland-Pfalz bei der Novellierung der Gemeindeordnung auf dem Weg über die sogenannte Aufgabenübergangs-Verordnung vom 02.09.1974, mit der sie im ländlichen Bereich die Zuständigkeit der Verbandsgemeinden für die Wasserversorgung regelte. Mit Wirkung vom 01.01.1975  wurde u.a. der Aufgabenbereich „Wasserversorgung“ von den Ortsgemeinden auf die Verbandsgemeinden übertragen. Viele Ortsgemeinden begrüßten diese gesetzliche Regelung. Zahlreiche Gemeinden, insbesondere diejenigen mit hohen Wasserreserven und niedrigem Wasserpreis, wollten ihre Wasserversorgungsanlagen jedoch weiter in eigener Zuständigkeit weiter betreiben.
 

An die Bezirksregierungen als Obere Wasseraufsichtsbehörde erging seitens der Landesregierung die Weisung, keine wasserbehördlichen Baugenehmigungen bei Erweiterung und Erneuerung von Wasserversorgungsanlagen mehr zu erteilen, solange der Träger (Verbandsgemeinde) nicht einen Generalentwurf zur Wasserversorgung seines Versorgungsbezirkes vorlegt. Man wollte damit erreichen, dass im Hinblick auf den angestrebten Ausbau des Verbundsystems keine Fehlinvestitionen mehr getätigt würden. Der Ausbau der Wasserversorgung zu einem Verbundsystem war auch das erklärte Ziel der politischen Parteien der Verbandsgemeinde Gerolstein.
 

Durch Betriebssatzung wurde 1977 das Wasserwerk und die Abwasserbeseitigungseinrichtungen zu einem Eigenbetrieb verbunden. Der Eigenbetrieb führt die Bezeichnung „Verbandsgemeindewerke Gerolstein“. Von den Verbandsgemeindewerken wurde 1978 eine Planung für die Wasserversorgung des gesamten Gerolsteiner Landes erstellt.
 

1980 wurde auf der Grundlage des Generalentwurfes mit dem Ausbau des Verbundsystems begonnen. Über dieses Verbundsystem werden alle Gemeinden des Gerolsteiner Landes (außer Neroth) mit einwandfreiem Trinkwasser versorgt. In der Gemeinde Neroth wird die zur Zeit vorhandene Wasserversorgungsanlage weiter als Einzelanlage betrieben. Der Anschluss an das Verbundsystem ist in 2009 vorgesehen.
 

Die Umstellung der Wasserversorgung auf Verbandsgemeindeebene war dingend erforderlich, da viele der Einzelgewinnungsanlagen mit zu hohen Nitratwerten und der bakteriologischen Belastung an den Grenzwerten bzw. über den Grenzwerten der Trinkwasserverordnung lagen. Weiter entsprachen die überalterten Bauwerke (wie Hochbehälter, Brunnenstuben), größtenteils aus den Jahren 1910 bis 1930, bei weitem nicht mehr dem Stand der Technik. Eine Erneuerung dieser Einzelversorgungsanlagen auf Gemeindeebene wäre unter wirtschaftlichen und technischen Gesichtspunkten nicht vertretbar gewesen. So wurden z. B. die Einzelversorgungsanlagen Densborn, Salm, Birresborn, Kopp/Eigelbach, Büscheich, Michelbach, Kalenborn/Scheuern, Duppach mit Weiermühle, Berlingen, Hohenfels, Essingen aufgegeben und die Wasserversorgung aus dem Verbundsystem sicher gestellt.